Reden analysieren mit You-Tube-Videos und Originaltexten – zweite Stunde

Reden sind kein Selbstzweck, obwohl dieser Eindruck bei einem Schüler leicht aufkommen könnte. Schüler werden nämlich häufig mit „uralten“ Reden konfrontiert, mit Reden, welche ihr Leben nicht direkt beeinflussen, Reden aus der Antike, aus der Zeit des geteilten Deutschland oder aus dem 3. Reich.

In einer Demokratie erfüllen Reden aber einen ganz klaren Zweck: Sie sollen überzeugen. Im Bundestag halten Politiker tagtäglich Reden und beziehen Position zu verschiedenen Inhalten der Politik in Deutschland. Der Bundestag ist eben zur Diskussion da, zur Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Meinungen und Ansichten. Der Bundestag ist dazu da, dem deutschen Volk zu dienen und seine Interesse nach bestem Wissen und Gewissen zu vertreten, nicht die Interessen der einzelnen Parteien oder einzelner Parteifunktionäre. Das tut er auch hoffentlich.

Des Weiteren ist der Bundestag eigentlich der Ort in Deutschland, an dem sehr heiß diskutiert werden sollte, denn hier wird das Schicksal des Landes entschieden. Erstaunlicherweise waren die Bundestagsdebatten in den letzten Jahren geprägt von einem ganz merkwürdigen Konsens. Alle waren einer Meinung. In letzter Zeit, seit die AfD als Opposition in den Bundestag eingezogen ist, können wir auch in Bundestag wenigstens den Ansatz von Debatten mitverfolgen. Das wissen Sie natürlich alles selbst, sagen Sie es unbedingt auch dem Schüler. Eine Demokratie gründet nicht auf Konsens und aus dem Streit erwächst die Wahrheit.

Diese Chance darf man nicht verpassen: hier hat der Schüler die Chance, zeitgenössische Reden zu hören.

Alice Weidel hält eine klassische polemische Rede. Sie verwendet viele polarisierende Stilmittel, die man gemeinsam mit dem Schüler herausarbeiten kann. Auch provokative Sprachbilder wie „Messermänner“ fehlen in dieser Rede nicht.

Wenn Sie noch zwei Jahre warten bis die gutbürgerliche konservativ-liberale AfD  salonfähig geworden ist und von den Heuchlern in der Regierung und der zensierten, verlogenen deutschen Presse nicht mehr als rechtsradikal verunglimpft wird, können Sie direkt auch selbst Position dazu beziehen. Heutzutage sollte man in Deutschland lieber sagen: “ Diese Rede möchte ich ganz unpolitisch zeigen, es geht darum, dass man jede Rede analysieren kann.“ Sonst laufen Sie Gefahr, dass Ihre Existenz von Linksradikalen abgewickelt wird.

Wenn Sie schon dabei sind, Schülern Videos aus dem Bundestag zu zeigen, können Sie mit dem folgenden Video eindrucksvoll vorführen, wie wirksam das Stilmittel einer Kunstpause ist und wie das Gegenüber unter Zugzwang richtig schlaue politische Entscheidungen trifft:

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